Wie mein Alltag mit Gott aussieht, oder sollte ich eher sagen, wie mein Alltag ohneGott aussieht? Vorab kann ich sagen, dass mein Leben sich anfühlt wie eine Sinus-Kurve: Mal geht’s auf und mal geht’s ab, mal hat man ein Hoch und mal ein Tief.

Momentan allerdings hab ich ein Tief: An den meisten Tagen stehe ich nur wenige Minuten vor der Arbeit auf, um mich noch kurz zu waschen und dann auch schon in die Arbeitswelt zu treten. Das Gebet fällt dabei häufig weg, und falls es doch eins gibt, dann ist es nur ein knapp und ein im Moment gesprochenes. Wenigstens bei der Arbeit gibt es eine Zeit, wo sich dann alle Mitarbeiter zur Andacht treffen, oder sollte ich besser sagen zum Kaffeetrinken? Denn so oft freue ich mich mehr auf den Geschmack dieses Muntermachers, als auf das Wort meines Herrn. Wie kann das sein?

Meistens sage ich mir: „Hey Kevin, nach der Arbeit hast du Zeit, um in der Bibel zu stöbern, um zu beten, um einen Spaziergang mit deinem Vater zu unternehmen. Hauptsache nur Zeit für ihn.”

Leider läuft es unglaublich selten so wie mein Geist es sich doch eigentlich wünscht, so wie ich es mir eigentlich wünsche. Denn sobald die Arbeit vorbei ist, kommen schon die nächsten Gedanken. Ich könnte jetzt den Haushalt machen, ich könnte ein wenig Sport treiben, Computer spielen, mit den anderen Leuten was unternehmen… der Gedanke, der in dem Moment meist nicht auftaucht, ist jener, der mich vor knapp einer Stunde mit solch einer Freude erfüllt hat: Zeit mit Jesus zu verbringen. Wie kann es sein, dass auch am Ende meines Tages all meine Zeit nichtig war und ich müde, ohne die Bibel aufgeschlagen zu haben, ohne 5 Minuten für Gott gehabt zu haben, ins Bett steige und einschlafe? Und noch viel schlimmer, W I E kann es sein, dass sich das fast täglich wiederholt? Wieso sind die unwichtigen Momente häufig so viel länger als die Minuten für die Ewigkeit? Obwohl es doch mein größter Wunsch ist, im Glauben zu wachsen und Jesus ähnlicher zu werden!

Der Tag hat 24 Stunden, und somit 86400 Sekunden. Dennoch schaffe ich es, diese Zeit mit Nichtigkeiten zu verplempern und mich am Ende des Tages  zu ärgern, dass Gott wieder erst ganz am Ende dran kommt. Natürlich gibt es auch immer wieder Tage, an denen wir während der Arbeit fast dauerhaft über eine Bibelstelle diskutieren, oder dass auch meine Freizeit ganz dem Herrn gehört, allerdings sind dies wohl eher die Ausnahmen.

Auch Paulus, eines meiner größten Vorbilder im Glauben, sagte schon in Römer 7; 14-21:

Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist; ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft. Denn ich weiß nicht, was ich tue. Denn ich tue nicht, was ich will; sondern was ich hasse, das tue ich. Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, stimme ich dem Gesetz zu, dass es gut ist. So tue ich das nicht mehr selbst, sondern die Sünde, die in mir wohnt. Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. Wenn ich aber tue, was ich nicht will, vollbringe nicht mehr ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt. So finde ich nun das Gesetz: Mir, der ich das Gute tun will, hängt das Böse an. 

Und wiederum sagt Paulus ein paar Verse später auch: (22-24, 25)

Denn ich habe Freude an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen. Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das widerstreitet dem Gesetz in meinem Verstand und hält mich gefangen im Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist. Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn! So diene ich nun mit dem Verstand dem Gesetz Gottes, aber mit dem Fleisch dem Gesetz der Sünde. 

Auch wenn mein Alltag häufig wenig zufriedenstellend für mich ist, darf ich wegschauen von mir und hinschauen auf die Gnade Gottes, denn was bei Gott zählt, ist das Leben im Geist. Als Kind Gottes darf ich dieses Leben in mir tragen und jeden Tag in seiner Gnade wachsen (2. Petrus 3,18). Denn auch wenn mein Blick immer wieder auf mein Versagen fällt, ist es Gott selbst, der mich rechtfertigt und Jesus, mein Erlöser, der mich vor seinem Vater vertritt (Römer 8, 33-34). Und so darf ich jeden Morgen neu wissen, dass mich nichts von seiner Liebe trennen kann, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn (Römer 8, 38-39). Deshalb darf ich mit Gewissheit sagen: „Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus!“ (1. Korinther 15,57).

Kevin Peters

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