Eines Nachts hatte ich einen Traum:
Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten,
Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben.
Und jedesmal sah ich zwei Fußspuren im Sand,
meine eigene und die meines Herrn. 

Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen
war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte,
dass an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur
zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten
Zeiten meines Lebens. 

Besorgt fragte ich den Herrn:
"Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du
mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein.
Aber jetzt entdecke ich, dass in den schwersten Zeiten
meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist.
Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am
meisten brauchte?" 

Da antwortete er:
"Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie
allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.
Dort wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich
getragen." 

Margaret Fishback Powers 

Rückblickend auf die letzten vier Jahre meines Lebens muss ich an das Gedicht „Spuren im Sand“ denken. Die letzten zwei davon, waren bisher die schwersten. Ich habe versucht, immer alles selber zu schaffen. Und habe mich gefragt, warum Gott mir nicht genug dabei hilft. 

Im Nachhinein ist mir klargeworden, dass ich ihm keinen Freiraum für seine Hilfe gegeben habe. Gebetet habe ich immer: Gott hilf mir. Aber insgeheim gedacht „Ich schaffe das schon“. Aber Er drängt sich nicht auf.

Schmerzhaft musste ich erfahren, dass dieser Weg all meine Kraft gekostet hatte. Ich musste an den Punkt kommen, an dem ich vor meinem Herrn kapitulierte. Es blieb mir nichts mehr übrig, als ihm alles hin zu geben und zu sagen: „Ich kann nicht mehr, wenn Du mir keine Kraft gibst. Ich habe keine mehr!“ Ich durfte die Verantwortung und Kontrolle über mein Leben und mein Handeln, an denen ich so festgehalten hatte, abgeben. Es hat diesen Moment in meinem Leben gebraucht um zu erkennen, dass ich als Mensch Grenzen habe. Aber Gott kann über diese Grenzen hinaus Kraft und Hoffnung geben. Er möchte, dass ich ihm vertraue. Dadurch, dass ich alles schaffen wollte habe ich ihm nicht vertraut und dadurch im Grunde missachtet. 

Es hat noch eine ganze Weile gedauert, in der ich mich gefragt habe, ob ich jemals wieder so kraftvoll werde, wie vorher. Erst als ich nicht mehr darüber nachdachte und bewusst Gott mein Nichtvertrauen bekannte, habe ich auch loslassen können um ihn wirken zu lassen. Ich bat ihn, sich um mein zukünftiges Leben zu kümmern. Plötzlich habe ich gemerkt, dass ich wieder so fit bin wie früher. Es ist seine Kraft, die nun in mir lebt.

Seitdem gebe ich jeden Tag Gott mehr Raum in meinem Leben. Ich habe erlebt, wie es ist, wenn man nur noch eine Spur im Sand sieht. Und ich weiß, dass ER mich getragen hat.

Wir laden uns oft selber mehr Lasten auf als wir tragen können. Aber Gottes Last ist leicht. Dies darf ich nun täglich immer mehr erleben und in meinem Leben sehen.

»Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch plagt und von eurer Last fast erdrückt werdet; ich werde sie euch abnehmen. 29 Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin gütig und von Herzen demütig. So werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. 30 Denn das Joch, das ich auferlege, drückt nicht, und die Last, die ich zu tragen gebe, ist leicht.« Matthäus 11,28-30 (Neue Genfer Übersetzung)

Tobias Fröhlich

 

TIP: Mehr Geschichten, Andachten und Neuigkeiten aus Siegwinden bekommst du mit der Zeitschrift "Brücke zur Heimat" jeden Monat in deinen Briefkasten:
Gibt es hier!